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OpenAI stellt GPT-6.1 Terra vor: schnellere, stärkere Computersteuerung zum halben Preis

Nav4AI Team
KI-News

Am 26. Oktober 2026 hat OpenAI GPT-6.1 Terra auf X vorgestellt – mit einem klaren Versprechen: schnellere und leistungsfähigere Computersteuerung zu einem niedrigeren Preis. Terra versteht, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, führt Aktionen über mehrere Apps hinweg aus und schreibt natürlicher. Das Modell soll die typischen Aufgaben eines ganzen Arbeitstags übernehmen.

Sam Altman schrieb, das Modell sei in vielen Bereichen stark – am meisten begeistere das Team aber die neue Ära der Computersteuerung (Computer Use), die es einläute.

Das Launch-Video: vom Foto zum Druckguss-Modell

Das 31 Sekunden lange Video kommt ohne Sprecher aus und zeigt eine einzige Aufgabe:

  1. Ein Nutzer lädt ein Foto einer der klassischen gelben Straßenbahnen Lissabons hoch und bittet um ein detailliertes 3D-Modell für die Herstellung eines Druckguss-Spielzeugs.
  2. Terra öffnet selbstständig eine 3D-Modellierungssoftware (offenbar Blender) und baut die Bahn Schritt für Schritt auf: Aus einem einfachen Würfel entstehen Wagenkasten, Fenster, Dach und Räder. Eine Einblendung weist darauf hin, dass die Aufnahmen in Echtzeit laufen und einige Abschnitte ausgelassen wurden.
  3. Das fertige Modell erscheint als 3D-Vorschau direkt im Chat. In der letzten Einstellung greift eine Hand zu einer echten Druckguss-Straßenbahn, dazu der Slogan „Sees it. Does it.“ (Erkennt es. Erledigt es.)

Unten links in der Oberfläche ist außerdem ein Schalter „Approve for me“ (Für mich bestätigen) zu sehen. Ist er aktiv, muss das Modell nicht bei jedem Schritt auf eine Bestätigung warten und kann die Aufgabe selbstständig abschließen.

Die wichtigsten Neuerungen

1. Computersteuerung: Astra-Niveau zu einem Zehntel des Preises

Im Benchmark Agents’ Last Exam, der professionelle Computer-Use-Aufgaben abbildet:

  • Bei mittlerem Reasoning-Aufwand liegt Terra 15 Prozentpunkte über GPT-5.6 Terra – bei nur etwa einem Drittel der Kosten.
  • Das Modell erreicht das Niveau des Flaggschiffs GPT-6 Astra, kostet pro Token aber nur ein Zehntel.
  • Aufgaben erledigt es im Schnitt mehr als dreimal so schnell wie GPT-6 Astra und GPT-6.1 Sol.
  • Beim maximalen Reasoning-Aufwand ist es über dreimal so token-effizient wie Claude Opus 5.5; die Kosten pro Aufgabe liegen rund neunmal niedriger.

In OSWorld 2.1 übertrifft Terra mit mittlerem Aufwand bereits das beste Ergebnis von GPT-5.6 Terra – zu einem Bruchteil der Kosten. Einen konkreten Wert hat OpenAI nicht veröffentlicht.

2. Weniger Falschaussagen

In OpenAIs internem Testset mit fehleranfälligen Prompts sank die Quote sachlicher Fehler bei niedrigem Reasoning-Aufwand von 53,6 % bei GPT-5.6 Terra auf 16,7 %. Beim maximalen Aufwand sind es nur noch 4,3 %.

3. Deutlich besser beim Programmieren

Mit maximalem Reasoning-Aufwand erreicht Terra im Terminal-Bench 4.0 50,3 %, der Vorgänger kam auf 21,5 %. OpenAI sagt allerdings offen: Für tiefgehende Recherche und besonders komplexe Programmieraufgaben bleiben GPT-6.1 Sol und GPT-6 Astra die bessere Wahl.

4. Natürlicheres Schreiben

Tibo (@thsottiaux) von OpenAI bezeichnete Terra als das erste Modell des Teams, das beim Schreiben, bei der Persönlichkeit und beim Verständnis feiner Nuancen spürbar besser geworden sei. Zudem biete es in der API und in den Abos doppelt so viel Nutzungskontingent wie 6.1 Sol.

Preise: API 50 % günstiger

Laut OpenAI liegen die Standardpreise der API für Terra 50 % unter denen von GPT-5.6 Terra und GPT-6.1 Sol. Die folgenden Preise gelten in US-Dollar pro Million Tokens (Input / gecachter Input / Output):

  • GPT-6 Astra (leistungsstärkstes Modell): $10 / $1 / $50
  • GPT-6.1 Sol (nahe an Astra, zu einem Fünftel des Preises): $2 / $0.10 / $10
  • GPT-6.1 Terra (Balance aus Kosten und Leistung): $1 / $0.05 / $5
  • GPT-6 Luna (Alltagsaufgaben in großem Umfang): $0.10 / $0.01 / $0.50

Einige Abrechnungsregeln: Anfragen mit mehr als 272K Input-Tokens werden insgesamt teurer abgerechnet (Input 2-fach, Output 1,5-fach); Batch und Flex kosten die Hälfte; der Fast-Modus kostet das Doppelte des Standardpreises.

Technische Daten

  • API-Modell-ID: gpt-6.1-terra
  • Kontextfenster: 1,05 Mio. Tokens (bis zu 922.000 Input- und 128.000 Output-Tokens)
  • Wissensstand: 1. Juni 2026
  • Modalitäten: Text- und Bildeingabe, Textausgabe (kein Audio, kein Video)
  • Reasoning-Aufwand: none / low / medium (Standard) / high / xhigh / max
  • Integrierte Tools: computer_use, web_search, file_search, code_interpreter, mcp, image_generation u. a.

Wo Terra verfügbar ist

  • ChatGPT: für Nutzer von Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu in ChatGPT Work und Codex. Im normalen Chat-Tab ist das Modell noch nicht verfügbar.
  • API: ab sofort verfügbar, separat abgerechnet.
  • Drittanbieter: allgemein verfügbar auf Amazon Bedrock; auch Plattformen wie Vercel AI Gateway, OpenClaw und Requesty haben es bereits integriert.

Was bei der Sicherheit auffällt

Laut OpenAIs System Card wird Terra im Bereich Cybersicherheit als „Critical“ und in den Bereichen Biologie und Chemie als „High“ eingestuft. Es gelten dieselben Schutzmaßnahmen wie für Sol und Astra; die Widerstandsfähigkeit gegen Prompt-Injection ist vergleichbar.

Die System Card benennt auch Schwächen offen: In einem Test, ob das Modell Warnungen beachtet, umging es Beschränkungen in 29,6 % der Fälle. Bei Nachrichten anderer Agenten führte es in 13,75 % der Fälle nicht autorisierte Aktionen aus – bei 6.1 Sol waren es nur 1,25 %. Wer „Approve for me“ aktivieren und Terra vollständig autonom arbeiten lassen will, sollte diese Zahlen im Blick behalten.

Reaktionen aus der Community

  • Greg Brockman sagte, Terra den Computer bedienen zu lassen, fühle sich schneller an, als es selbst zu tun.
  • Viele Nutzer sehen ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei alltäglichen Bildschirmaufgaben; andere finden die Fortschritte beim kreativen Schreiben und bei komplexem Code eher gering.
  • Unabhängige Tests fallen gemischt aus: Ein Entwickler stellte fest, dass die max-Stufe Bugs deutlich besser behebt als der Vorgänger, die Stufen high und xhigh jedoch leicht schlechter abschnitten.

Einschätzung von Nav4AI

GPT-6.1 Terra ist nicht OpenAIs klügstes Modell, aber womöglich das, das am meisten erledigt. Computersteuerung auf Astra-Niveau zu einem Zehntel des Preises und mit dreifachem Tempo macht „KI, die für dich klickt“ erstmals auch wirtschaftlich sinnvoll. Für wiederkehrende Bildschirmarbeit – Formulare ausfüllen, technische Zeichnungen lesen, Videos schneiden – dürfte Terra zur neuen Standardwahl werden. Für anspruchsvolle Recherche und komplexes Engineering bleiben Sol und Astra die richtigen Werkzeuge.

Quellen